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Bruno Lückes Blick für das Motiv

Mit seinen Bildern dokumentierte Bruno Lücke, Fotograf der Halterner Zeitung, die Stadtgeschichte. 30 Jahre lang war er das Gesicht der Lokalredaktion.

Bruno Lückes Blick für das Motiv

Bei einem Besuch in Haltern wurde der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (r.) von Halterns Bürgermeister Hermann Wessel (2.v.r.), Stadtdirektor Günther Zöllner (4.v.r.) und natürlich Fotograf Bruno Lücke hinter der Kamera begleitet. FOTO LÜCKE/ARCHIV

Bundeskanzler Helmut Schmidt hat ihm eine Zigarette angeboten. NRW-Ministerpräsident (und späterer Bundespräsident) Johannes Rau hätte gerne mit ihm Karten gespielt. Bruno Lücke, 30 Jahre lang Fotograf der Halterner Zeitung, lernte in seinem Berufsleben auch die politischen Größen der bundesdeutschen Politik sowie ihre Laster oder Leidenschaften kennen. Immer mit einem guten Spruch gesegnet, wusste der heute 85-Jährige die Menschen für sich und seine Kamera zu gewinnen.Er kam als Quereinsteiger zu seinem BerufDer Sythener hatte 1969 als Fotograf in der Lokalredaktion angeheuert. Zuvor hatte er in Laboren der Chemischen Werke Hüls in Marl sowie anschließend bei der Sprengstofffabrik Wasag in Sythen gearbeitet. In letzterem Betrieb nahm er Tuchfühlung zur Fotografie auf, indem er einem Kollegen über die Schulter schaute. Bald zeigte sich sein Talent für den richtigen Blick auf das Motiv.

Eigentlich sollte er Hausfotograf bei der Wasag werden. Bei einer Fortbildung bei Agfa in München gelang ihm auf dem Viktualienmarkt ein so gutes Bild von einer österlichen Blumenstraße, dass die Aufnahme auf eine Firmen-Postkarte gedruckt wurde. Als die Halterner Zeitung einen Fotografen suchte, nutzte Bruno Lücke die Chance und bereute es nie.

Mit seiner offenen Art und seiner Verbundenheit zur Stadt Haltern und ihren Menschen wurde er das Gesicht der Halterner Zeitung. Wo Bruno Lücke mit seiner Kamera auftauchte, wurde Stadtgeschichte dokumentiert. Gedruckt wurden seine Bilder noch in Schwarzweiß. Zuvor mussten die Aufnahmen in der Dunkelkammer der Redaktion aufwendig entwickelt werden.

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Als Fotograf für die Halterner Zeitung dokumentierte Bruno Lücke viele Jahre lang das Stadtgeschehen. Noch heute wird er darauf angesprochen. FOTO WIETHOFF
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Auch im Freibad Sythen ging Bruno Lücke auf Fotopirsch. FOTO LÜCKE/ARCHIV

Noch gut erinnert sich Bruno Lücke an den vorgegebenen Arbeitstakt. „Was um 16.30 Uhr nicht bei Bitter in Recklinghausen (Anm. d. Red.: Bitter war eine Druckerei in Recklinghausen, in der wurde damals die Halterner Zeitung gedruckt und dann nach Dortmund gebracht wurde, um sie ins Gesamtprodukt einzufügen) war, konnte am nächsten Tag nicht in der Zeitung erscheinen“, sagt er. Während seiner Dienstjahre hat er über 20.000 Termine wahrgenommen und annähernd 100.000 Negative belichtet. Das Internet gab es noch nicht, sodass an eine Online-Version von Artikeln und Fotos nicht zu denken war.

„Es waren schöne Jahre“, sagt der Sythener über sein Berufsleben. Seit 22 Jahren genießt er gemeinsam mit Ehefrau Ruth (79) seinen Ruhestand. In seinem Dorf und in der Stadt ist er noch immer viel unterwegs. „Wir gehen täglich spazieren oder machen eine kleine Radtour“, verrät das Ehepaar. Einmal pro Woche schließt sich Bruno Lücke auch noch einer Radlergruppe an, die Haltern und die Umgebung erkundet und um die 40 Kilometer pro Tour zurücklegt.

Die Kamera begleitet ihn heute nicht mehr auf seinen Ausflügen. „Ich kann es aber noch“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Silvia Wiethoff

Das Titelblatt der 118. Ausgabe der Halterner Zeitung (damals noch Halterner Anzeiger) aus dem Jahr 1898

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